Restaurierung und Rekonstruktion der Walcker-Orgel in St. Urbanus


Orgelbaumeister Albert Baumhoer und Intonateur Hugo Weidemann

Im Sommer 2010 wurde der mit der Restaurierung romantischer Orgeln besonders erfahrene Orgelbau-Meisterbetrieb Albert Baumhoer (Salzkotten) mit den Arbeiten an der Weslarner Walcker-Orgel beauftragt.


Die Kosten des gesamten Restaurie-
rungsprojektes wurden mit ca. 35.000 € veranschlagt, die allein durch Spenden an den Förderverein der St. Urbanus-Kirche aufgebracht werden mußten. Innerhalb von 3 Jahren wurde dank zahlreicher Spenden, durch Mitglieds-
beiträge und Vereinsaktivitäten ein Großteil dieser Summe angespart.


Das Projekt wurden in zwei unabhängig von einander durchführbare Maßnahmen aufgeteilt: im ersten Abschnitt wurden Orgelwerk und Spieltisch restauriert (s.u., Dokumentation als PDF zum Herunterladen), der zweite Abschnitt galt der Rekonstruktion des Doppelfaltenbalges.


Im Herbst 2010 begannen die Arbeiten des ersten Reparaturabschnittes mit einem Umfang von ca. 25.000 Euro und konnten bis Ostern 2011 abgeschlossen werden konnten. Hierbei wurden u.a. ausgeführt:

 

- Ausbau, Reinigen und Reparatur der 594 Pfeifen

- Reinigen, Kontrolle und Aufarbeiten der Windladen, Ventile und Tonbälgchen

- Reparatur und Regulierung der Manualklaviaturen und des Pedalspielapparates

- Rekonstruktion bzw. Restaurierung der Pfeifen der Register Aeoline 8‘ und Salicional 8‘

- Einbau einer Suboktavkoppel II/I

- Einbau eines neuen leistungsstärkeren Gebläses

- abschließende Raumintonation und Stimmung

 

Dank tatkräftiger Hilfe von Gemeindemitgliedern, die den Abriss der schadhaften Rückwand sowie deren Neukonstruktion ausführten und Handlanger- und Transportdienste übernahmen, konnten die Kosten deutlich gesenkt werden.

 

Die noch fehlenden Mittel für den zweiten Bauabschnitt wurden im Laufe des Jahres 2011 zum größten Teil durch den Verkauf von Orgelpfeifen-Patenschaften eingenommen. Der restliche Betrag konnte aus dem Erlös des Gemeindefestes zur Wiedereinweihung der Orgel nach Ende des ersten Baubschnittes beigesteuert werden.


Der neue Doppelfalten-Magazinbalg wurde von Baumhoer nach alten Techniken gefertigt und stellt eine historisch wertvolle Rekonstruktion dar. Neben dem Hauptbaustoff Holz wurden nach über-
lieferten Bauanleitungen Ziegenpergament und Schafsleder verwendet und mit Hautleim verklebt, die "Scharniere" zwischen den bewegliche Holzteilen sind aus getrockneten Darmschnüren herge-
stellt. Er fasst ca. 1,5 m³ Luft, ist mehr als doppelt so groß wie sein Vorgänger aus den Nachkriegs-
jahren und wird mit einem Winddruck von 80 mm Wassersäule betrieben.
 

Im Februar 2012 wurden die Arbeiten am 2. Bauabschnitt vollendet und die nun vollständig restaurierte Orgel war am 10. März 2012 erstmalig wieder zu hören.