Restaurierung des barocken Antependiums - Konservierungsmaßnahmen am Altaraufsatz


Altaraufsatz, Vorzustand, Foto: M. Voss-Raker
Altaraufsatz und Antependium

Der gemauerte Altartisch, d.h. die Mensa, datiert aus der Bauzeit des Chores (um 1170) oder aber - etwas später - aus der Zeit um 1300.

Der Altaraufsatz ist 1633 entstanden.
Er besteht aus der Predella mit Schriftkartusche und darüber dem quadra-
tischen Altarblatt, einem Leinwandbild mit der Kreuzigung Christi. Zwei Holzsäulen rahmen das Altarblatt. Rechts und links schließen auf Holz gemalte ganzfigurige Darstellungen der Apostel Petrus (links) und Matthias (rechts) an. Unter ihnen ist jeweils eine kleine Holztafel mit Schrift angebracht. An den Außenseiten verzieren sog. Schleierbretter mit Ornamentmotiven den Aufsatz. Ein kräftiges Gesims oberhalb der Kreuzigungsszene leitet zu einer Darstellung der Auferstehung Christi mit halbrundem oberem Abschluss über. Zwei Holzpfeiler mit aufgelegten Ornamenten rahmen sie ein. Die Zwickel zwischen Holzpfeilern und Gesims werden von weiteren Schleierbrettern in Gestalt zweier Tiere ausgefüllt. Ein Kreuz mit Vierpassenden bekrönt den Altaraufsatz.


Das Antependium ist die Holzverkleidung der Mensa, ergänzt durch ein Podest mit seitlichen Balusterschranken.


(Prof. Dr. Renate Prochno)

Die Restauratorin Monika Voss-Raker, Werl,  führte im Zeitraum Februar bis April 2008 Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten an Altaraufsatz und Antependium der St. Urbanus-Kirche durch.
 
Im Folgenden veröffentlichen wir Textauszüge und Fotos aus der Dokumentation
von Frau Voss-Raker. Die Ziffern in Klammern beziehen sich auf die jeweiligen Fotos in der darunter angefügten Bildergalerie.

Vorzustand Antependium, Foto: M. Voss-Raker
Hochaltar - Antependium mit Podest aus Eiche
und Weichholz, polychrom gefasst, Entstehungs-
zeit 17. Jh.


Vorzustand:

Die Rückwand des Antependiums besteht aus vier aufeinander gesetzten Holzbohlen aus Pappelholz. Auf diese Rückwand wurden die Rundbögen mit den Säulenschäften montiert... (1)
Durch aufsteigende Feuchtigkeit ist die Rückwand aus Pappelholz bis zu der obersten Bohle zerstört worden. Das morsche Holz wurde durch Schädlingsbefall weiter zerfressen (2,3). Außerdem ist auf der Oberfläche Pilzbefall festzustellen...
Die Fassung auf dem Holz hebt sich vom Bildträger ab und ist an einigen Stellen bis auf die Grundierung abgeplatzt. Fassung II zeigt deutliche Haftungsprobleme zur ersten Fassung...
Im Bereich des Geländers sind einzelne Fassungsschäden durch die Abnutzung am Handlauf und breite Risse in den Säulenschäften entstanden... (4)

Die Fassung des Altars ist durch Staubablagerungen vergraut. Es sind partiell Fehlstellen entstanden. Über der linken Tafelmalerei haben sich Farbschollen abgelöst, zum Teil stehen sie dachförmig auf (5).
Unter der neuzeitlichen Istfassung des Altargehäuses sind Reste früherer Fassungen festzustellen. Es handelt sich um eine farbkräftige Malerei.
An der rechten Seite der Predella ist eine Freilegungsprobe stehen gelassen worden. Die weiße Altararchitektur war blau gefasst.

Das Altargemälde, das auf ein dünnes Gewebe gemalt worden ist, wurde doubliert und auf einen neuen Keilrahmen aufgespannt.
Das Altargemälde ist mit rostenden Nägeln gesichert (6).

Auf der ungefassten Rückseite des Altaraufbaus (7) sind Spuren der letzten Bearbeitung des Altars sichtbar. Die Fassung scheint abgebeizt worden zu sein. Es ist in den Schleierbrettern die helle Grundierung sichtbar, mit der der Altar vorgestrichen wurde. Fehlende Teile der Schleierbretter wurden ergänzt.

An den Türen der Predellazone ist Holzwurmbefall festzustellen
(8).

Zwischenzustand:

Das Podest und die Rückwand wurden abgebaut (9). Unter dem Podest hatte sich grober Dreck schichtstark gesammelt (9a). Zur Rückwand hin brach das Holz beim Abrücken teilweise in sich zusammen. Morsche Holzsubstanz, die durch Wurmfraß zerstört und von Pilzen befallen war, trat zum Vorschein.

Durch die Feuchtigkeitseinwirkungen haben sich die Pappelbretter stark verwölbt, so dass die Säulen nur noch lose vor der dunklen Vertäfelung standen (10).

Unter der Istfassung (Ölfarbanstrich) liegt eine matte Farbfassung auf heller Grundierung. Die Farbfassung wurde nach dem Zusammenbau der Rückwand mit den Architekturteilen aufgetragen. Die Farbschichten stehen dachförmig auf und platzen stelleweise ab (11).
Unter der weißen Fassung der Säulenarchitektur ist in den Fehlstellen ein kräftiges Blau zu erkennen... (12)
 
Endzustand:

Zwischen der Rückwand des Antependiums und dem gemauerten Altartisch ist ein Abstand belassen worden (13).
Die Istfassung ist oberflächlich gereinigt worden. Fehlstellen in der Fassung wurden geschlossen mit einem Leim-Kreide-Kitt. Der Handlauf ist neu gefasst worden. Die Holzbohlen des Podests wurden gereinigt und gewachst (14).

Durch die Erneuerung der Rückwand und die Ergänzung fehlender Teile der Schnitzerei ist wieder ein geschlossener Gesamteindruck entstanden
(15).